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Der folgende Abschnitt greift inhaltlich auf frühere eigene Ausarbeitungen zurück, die unter „Ergänzende Anmerkung“ (Menüpunkt: Stadtentwicklung und räumlicher Kontext) dokumentiert sind.

17. Numerische Analogien im Bestand der Stadt Bad Segeberg

In früheren Darstellungen wurde bereits erläutert, welche Unterlagen zum Jürgensweg im Stadtarchiv Bad Segeberg, im Bau‑ und Umweltamt, beim Grundbuchamt sowie in verschiedenen schleswig‑holsteinischen Bibliotheken gesichtet werden konnten. Bei der Frage, weshalb die Überlieferung zum Jürgensweg im Stadtarchiv seit 1961 abreißt, ergab sich für die Erbin und Verfasserin die Notwendigkeit, die historischen Rahmenbedingungen stärker einzubeziehen, um mögliche Ursachen und Zusammenhänge zu erkennen. Dabei spielten neben den inhaltlichen Befunden auch numerische Auffälligkeiten im Quellenbestand eine Rolle. Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und der nationalsozialistischen Zeit, deren Spuren sich auch in der lokalen Überlieferung Bad Segebergs widerspiegeln können, wird dieser Aspekt hier erneut aufgegriffen.

a) Numerische Analogien in der Quelle von Faasch

Eine der beiden im Jahr 2006 im Stadtarchiv Bad Segeberg abgelegten Quellen zum Jürgensweg trägt den Titel Die Segeberger Straßennamen erklärt von Klaus Peter Faasch mit Zeichnungen von Maximilian Michelson (ohne Erscheinungsvermerk, 2 Seiten Deckblatt und S. 13; Stadtarchiv Bad Segeberg 2006). Diese Fassung wurde 2008 von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter des Archivs herausgegeben.

Die wissenschaftliche Belastbarkeit dieser Quelle war aufgrund des fehlenden Erscheinungsvermerks bereits früh in Zweifel gezogen worden. Sie blieb daher während der Recherchen eher ein Randphänomen, das Fragen aufwarf. Der erste Eindruck erinnerte an einen schulischen Aufsatz oder eine ungekennzeichnete Abschrift. Ob für diese Quelle eine Ablieferungspflicht bestand, ob sie ursprünglich mehr Material enthielt oder welche Bedeutung ihr zukommen könnte, war 2008 nicht ersichtlich. Erst 2009 ergab eine erneute Recherche, dass die Universitätsbibliothek Kiel die Quelle auf etwa „1989“ datiert (UB‑Kiel, Faasch [ca. 1989]) und sie dort im „Magazin 7“ unter der Signatur „Az 16 7077“ führt. Auffällig war zudem eine unpaginierte Straßenskizze in der Mitte des Heftes (Seitenabfolge 16/17), in der sämtliche Straßen Bad Segebergs benannt sind – mit Ausnahme des Jürgenswegs, der zwar eingezeichnet, aber als einziger nicht beschriftet ist. Die entsprechende Abbildung (Abb. 22) wurde von der Autorin mit fünf Sternchen markiert.

Im Gesamtzusammenhang der bisherigen Ereignisse wirkte die Quellenlage – insbesondere die Kombination aus der Faasch‑Quelle und dem Datenblatt des Namensvetters – wie ein plagiatsverdächtiges oder zumindest tendenziöses Konstrukt, das den Namensgeber des Jürgenswegs eher verschleiert als belegt. Dies erschien umso problematischer, als das Stadtarchiv Bad Segeberg diese Quelle dennoch bevorzugt heranzog (NEWS 2009).

Abbildung 22 – Ausschnitt aus der Straßenskizze in Faasch, ca. 1989, Seitenabfolge 16–17, Signatur „Az 16 7077“, Magazin 7, Universitätsbibliothek Kiel, Schleswig‑Holstein – mit Markierung des Jürgenswegs („5‑Sternchen‑Markierung“ © Kahl 2012).

Die Frage nach der möglichen Bedeutung dieser Quelle führte zu weiteren Überlegungen. Die Signatur „Az 16 7077“ der UB‑Kiel lässt sich numerisch als „7“ und „77“ lesen und erinnert damit an den Aufsatz von Hans Siemonsen im 7. Jahrbuch (1961), insbesondere an die Seiten „77“ ff., auf denen ebenfalls Straßen des Kreises Segeberg bzw. Klein Niendorfs behandelt werden. Beide Autoren – Faasch und Siemonsen – waren zudem an der Dahlmannschule tätig, wenn auch in unterschiedlichen Funktionen (vgl. Tschentscher 1989; Kasch 1984). Beide Werke verzichten auf Quellennachweise. Dies wirft Fragen nach der wissenschaftlichen Tragfähigkeit und nach der Berechtigung zur Benennung von Straßen auf.

Hinzu kommt, dass beide Autoren von „Segeberger“ Straßen sprechen, obwohl es sich um Straßen in Bad Segeberg bzw. der Gemarkung Klein Niendorf handelt. Dies könnte – rein hypothetisch – auf eine Haltung verweisen, die eher an die Zeit vor der Eingemeindung Klein Niendorfs bzw. vor der Umbenennung zu „Bad Segeberg“ im Jahr 1924 erinnert (Kasch 1974).

Auch die Seitenabfolge „16“ in der Skizze Michelsons (Faasch, ca. 1989) könnte – wiederum rein hypothetisch – als numerischer Hinweis auf die Nichtbenennung des Jürgenswegs verstanden werden. Ähnliche Zahlenbezüge finden sich auch in Grundbuchunterlagen, wie an anderer Stelle ausgeführt wird. Die UB‑Kiel betonte jedoch ausdrücklich, dass die Signaturvergabe ausschließlich numerischen Kriterien folgte und keine inhaltliche Bedeutung besitzt (NEWS 2009, Eintrag vom 05.06.2009). Die Autorin hält dennoch fest, dass die Zahlenparallelen – ob zufällig oder nicht – Erkenntnisse ermöglichten und daher weiter untersucht wurden. Die folgenden Überlegungen stellen mögliche Interpretationen dar, die sich ausschließlich auf den Bestand zum Jürgensweg beziehen und keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben.

Ergänzende Anmerkung:

Quellenbezug: Der Jürgensweg in Bad Segeberg, Gemarkung Klein Niendorf – Zum Bestand der Straße, AVM 2012. Siehe auch: Ergänzende Anmerkung unter „Stadtentwicklung und Kontext“ im Menü dieser Homepage.